Im Deutschunterricht haben ich mir in Form eines Essays mit der Frage auseinandergesetzt, welche Rolle Künstliche Intelligenz in unserem Leben spielt. Ziel war es nicht nur, eine eigene Position zu entwickeln, sondern den Text anschliessend mithilfe des Feedbacks des Lehrers gezielt zu überarbeiten und zu verbessern. Der folgende Blogbeitrag zeigt das Ergebnis dieses Prozesses. Er greift die zentrale Fragestellung des Essays auf, ob KI ein Fortschritt oder eine Gefahr für selbstständiges Denken darstellt, und macht sichtbar, wie aus einer ersten Idee durch Überarbeitung ein klar strukturierter und argumentativ geschärfter Text entstanden ist. Mein Essay:
Weniger Digitalität ist mehr?
Ein Essay über die Rolle der KI in unserem Leben
In der heutigen Zeit spielt die Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle. Bildschirme, digitale Anzeigen und vernetzte Geräte prägen unseren Alltag. Kaum ein anderes Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie die Künstliche Intelligenz – insbesondere im schulischen Kontext. Digitale Technologien sind aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken, und mit der rasanten Entwicklung der KI haben sie weiter an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage dieses Essays: Ist KI tatsächlich ein Fortschritt für unsere Gesellschaft, oder führt ihr zunehmender Einsatz dazu, dass wir abhängig werden und wichtige Fähigkeiten verlernen? Gerade in der Schule ist der Einsatz von KI umstritten. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen Programme wie ChatGPT, um Fragen zu klären oder Aufgaben zu lösen. Daraus ergibt sich provokativ die Frage, welchen Sinn Schule überhaupt noch hat, wenn Wissen scheinbar jederzeit digital abrufbar ist. Weshalb sollte man mehrere Stunden pro Tag im Unterricht verbringen, wenn Informationen schneller und bequemer durch KI geliefert werden können?
Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert der Schweizer Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach in einem Interview. Er vergleicht den Einsatz von KI mit dem Joggen: Er jogge nicht, weil es ihm besonders Freude bereite, sondern weil es seiner Gesundheit diene. Auch wenn es theoretisch angenehm wäre, diese Anstrengung einer KI zu überlassen, sei dies nicht sinnvoll – denn der Nutzen liege gerade im eigenen Tun. Diese Analogie macht deutlich, dass Lernen nicht nur dem Ergebnis dient, sondern vor allem dem Prozess. Schülerinnen und Schüler lernen nicht allein, um Prüfungen zu bestehen, sondern um ihre geistigen Fähigkeiten zu trainieren. Denken ist für das Gehirn, was Bewegung für den Körper ist. Gegen dieses Argument lässt sich jedoch einwenden, dass auch das Joggen im Alltag oft durch technische Hilfsmittel ersetzt wird. Um von einem Ort zum anderen zu gelangen, nutzen wir Autos oder Züge, da sie effizienter sind als das Gehen. Niemand würde auf die Idee kommen, weite Strecken zu Fuss zurückzulegen, wenn ein Fahrzeug zur Verfügung steht. Überträgt man diesen Gedanken auf das Lernen, könnte man argumentieren, dass es ebenfalls legitim ist, KI zu nutzen, um schneller zum Ziel zu gelangen. Dieser Vergleich greift jedoch zu kurz. Zwar erleichtert Technik viele Wege, doch sie ersetzt nicht den Wert eigener Anstrengung. In einer gedachten Zukunft, in der medizinischer Fortschritt den menschlichen Körper vollständig reparierbar macht, würde körperliche Bewegung tatsächlich sinnlos erscheinen. Überträgt man dieses Szenario auf das Denken, entstünde eine dystopische Welt, in der KI sämtliche geistigen Aufgaben übernimmt. Der Mensch müsste weder nachdenken noch Entscheidungen treffen. Ein solches Leben wäre bequem, aber auch leer. Kreativität, Reflexion und Verantwortung würden verloren gehen.Gerade diese Vorstellung wirkt beunruhigend. Schon heute lassen sich viele Aufgaben mit wenigen Klicks erledigen. Wenn dieser Trend unkritisch fortgesetzt wird, besteht die Gefahr, dass Menschen ihre Fähigkeit zum selbstständigen Denken verlieren. Eine Gesellschaft, die sich vollständig auf KI verlässt, riskiert ihre geistige Selbstständigkeit.
Im Fazit lässt sich festhalten: Künstliche Intelligenz ist ein wertvolles Hilfsmittel, solange sie auch genau das bleibt – ein Werkzeug. Wie Autos oder Züge soll sie den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Die Zukunft muss keine dystopische sein, wenn wir bewusst entscheiden, wann und wie wir KI einsetzen. Denken, Lernen und geistige Anstrengung sind unverzichtbar für ein erfülltes menschliches Leben. Deshalb gilt: weniger unreflektierte Digitalität und mehr aktives Denken.
Reflexion (Kastentext)
Die Überarbeitung meines Essays war ein zentraler Bestandteil des Lernprozesses. Die Korrekturen und Anmerkungen des Lehrers machten deutlich, dass der ursprüngliche Text zwar über eine tragende Idee und eine funktionierende Analogie verfügte, diese jedoch nicht konsequent genug ausgearbeitet und strukturiert waren. Inhaltlich habe ich den Text präziser ausgerichtet. Die Fragestellung wurde klarer eingegrenzt, sodass sich der Essay nun konsequent auf die Rolle der Künstlichen Intelligenz im Lern- und Denkprozess konzentriert. Einzelne Gedanken, die zuvor nur angedeutet oder lose aneinandergereiht waren, wurden entweder ausgearbeitet oder bewusst gestrichen, um die argumentative Linie zu schärfen. Auf struktureller Ebene habe ich den Text neu organisiert. Die Einleitung formuliert nun eindeutig die zentrale Fragestellung, der Hauptteil folgt einer nachvollziehbaren Argumentationslogik, und das Fazit ist klar als solches erkennbar. Durch gezielte Absatzbildung werden die einzelnen Argumentationsschritte voneinander abgegrenzt und in einen logischen Zusammenhang gestellt. Sprachlich habe ich den Text überarbeitet, indem ich unpräzise Formulierungen reduziert, Fragen weitgehend durch Aussagen ersetzt und auf einen einheitlichen, sachlich-essayistischen Ton geachtet habe. Zudem wurden grammatikalische und syntaktische Ungenauigkeiten korrigiert, um die Verständlichkeit und Lesbarkeit des Textes zu verbessern. Insgesamt hat mir die Überarbeitung gezeigt, dass ein überzeugender Essay nicht nur von einer guten Idee lebt, sondern von deren klarer Führung. Planung, Struktur und sprachliche Präzision sind entscheidend dafür, dass Gedanken für die Lesenden nachvollziehbar und überzeugend werden.